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Was ist Achtsamkeitspraxis?

Seit Jahren sind die Bücher des buddhistischen Mönchs und Friedensnobelpreisträgers Thich Nhat Hanh treue Begleiter meiner spirituellen Praxis. Thich Nhat Hanh ist Meister der ‚Achtsamkeitspraxis‘. Als Yogalehrer habe ich viele interessante Anregungen aufnehmen und im Unterricht einbinden können.

Bei der Meditation werden alle anderen Dinge, die im Geist entstehen, als Ablenkungen angesehen, die nicht verfolgt werden sollen. Nun weiß ich, dass Achtsamkeit eine andere Richtung von Meditation ist, auch bekannt als Vipassana oder Einsichts-Meditation. Anfangs liegt das Ziel
der Achtsamkeit auf einer einsgerichteten Aufmerksamkeit, um Ruhe und Beständigkeit zu kultivieren. Dann werden die Gedanken oder Gefühle beobachtet. Sie werden weder ignoriert, noch unterdrückt, analysiert oder beurteilt. Stattdessen werden sie betrachtet, absichtlich und so gut wie möglich nicht bewertet. Diese umfassende Wahrnehmung der Gedanken führt dazu, dass man sich weniger in ihnen verstrickt.

In Büchern über Achtsamkeitspraxis habe ich gelesen, dass man einen tieferen Einblick in die eigenen Reaktionen auf Alltägliches und auf Schwierigkeiten erhält. Indem die Gedanken und Gefühle aus einem gewissen Abstand heraus betrachtet werden, kann man somit klarer erkennen, was tatsächlich im Geist abläuft. Der Inhalt der Gedanken wird benannt, die Gefühle, die mit ihnen verbunden sind und dann auch die Reaktionen auf diese Gefühle. Man wird sich so der Absichten, Verhaftungen, Vorlieben, Abneigungen und Unstimmigkeiten bewusst, die sich in den eigenen Gedanken verbergen. So kann jeder Einsichten gewinnen: was ihn antreibt, wie die Welt gesehen wird, wie das Denken bei jedem Einzelnen funktioniert und wer er ist – Einsichten somit in die eigenen Ängste und Wünsche.

Folgendes Bild kann vielleicht Achtsamkeit veranschaulichen: Vergleichen wir den Geist mit der Oberfläche eines Sees oder Meeres. Auf ihr gibt es immer Wellen, manchmal große, manchmal kleine. Viele Leute denken, dass das Ziel der Meditation darin bestünde, die Wellen zu glätten, so dass die Oberfläche flach, friedlich und ruhig wird. Doch dies ist eine irreführende Vorstellung. Viel besser wird der wahre Geist der Achtsamkeitspraxis mit folgendem Bild illustriert, das einst ein etwa siebzigjähriger Yogi, Swami Satchidananda beschrieb, wie er, mit weißem Rauschebart und wehenden Roben, auf einem Surfbrett stehend in Hawaii auf einer Welle reitet. Die Überschrift lautete: „Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber Du kannst lernen, sie zu reiten.“
 


Wie Du selbst Achtsamkeit praktizieren kannst

Soviel zur Theorie. Nur, wie lassen sich die recht simplen Methoden tatsächlich in den Alltag integrieren? Ist der Flut von äußerlichen Gegebenheiten und Reizen überhaupt noch mit Achtsamkeit zu begegnen? Lässt sich in eine Welt von Multitasking eine Praxis des Einsgerichtetseins umsetzen, ohne als Außenseiter zu gelten? Für mich blieb nur eins: da ich eine sehr nach außen gerichtete Person bin, konnte ich für mich tiefe Einblicke in die Achtsamkeitspraxis zunächst einmal nur in einer längeren Phase des Zurückziehens aus Familie und Beruf gewinnen. So habe ich mich entschieden für eine Woche intensiv Vipassana zu praktizieren. Im Haus Yoga Vidya wurde zum ersten Mal ein Vipassana-Retreat angeboten. Leiter des Retreats war Adriaan van Wagensveld, der seinen Beruf aufgegeben hat und lange Zeit im Kloster des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh gelebt hat. Anschließend hat er eine Ausbildung zum Yogalehrer abgeschlossen. Und genau die Kombination hat mich fasziniert und gereizt. Tief in die Meditation einzusteigen und zwischendurch mit leichten Asanas (Körperstellungen) den Körper wieder fit zu machen, um ihn beweglich zu halten, die eigene innere Aufrichtung beizubehalten, aber auch um den Kreislauf zu stabilisieren. Mit diesen Übungen konnte ich mir gut vorstellen die nächste Meditationsrunde präsenter wahrnehmen zu können.

Meine Anreise zum Seminar war gespickt mit vielen Staus, so dass ich mich während der Zeit gut auf die Achtsamkeitspraxis einlassen konnte. Oder war es doch nur eine Übung in Geduld? Als ich dann endlich ankam, waren bereits alle 16 Teilnehmer anwesend. Wir hatten im Haus Shanti einen riesengroßen Raum für uns alleine. Alles war vorbereitet und es fehlte nur noch das Aufstellen und Einrichten der persönlichen Dinge.

Da ich zu spät ankam, gab es für mich nur noch die Gelegenheit mich leise an meinen Platz zu setzen und wir haben dann auch schon mit der ersten Meditation begonnen. Wer braucht  schon eine Vorstellrunde? Wer will schon die Namen des Nachbarn wissen? Wofür auch, in der kommenden Woche ist sowieso Schweigen angesagt!?! Noch weitere Fragen gingen mir durch den Kopf und ich stellte fest, dass ich noch lange nicht angekommen war.

Allerdings sollte sich das schnell ändern. Mir blieb auch keine andere Wahl. Wir bekamen dann noch weitere Empfehlungen, wie wir uns zu verhalten haben: jeder sollte die ganze Woche bei sich bleiben; das heißt nicht reden, auch nicht lesen und noch nicht mal jemanden in die Augen schauen! Adriaan motivierte uns damit, dass es doch ein großes Geschenk sei, über eine Möglichkeit zu verfügen, eine ganze Woche lang Schweigen zulassen zu können, mit der Gewissheit, dass sich um alle andere Belange des täglichen und auch persönlichen Lebens gekümmert wird. Ich freute mich, mich um nichts kümmern zu müssen. Alles war da. Wenn dann doch noch etwas fehlen sollte, hatte jeder die Möglichkeit dies auf ein zur Verfügung stehendes Papier zu schreiben.
Danach erklärte uns Adriaan den inhaltlichen Ablauf. Das Retreat wurde gestützt auf die Satipattha-na Sutra. Diese geht zurück auf die zentrale Lehrrede des historischen Buddha (Siddharta Gautama; 583 bis 463 v. Chr.) von den Grundlagen der Achtsamkeit (Satipattha-na-Sutra). Diese beginnt und endet mit den folgenden Worten: „Es gibt einen wunderbaren Weg, der lebenden Wesen hilft, Läuterung zu verwirklichen, Kummer und Trauer direkt zu überwinden, Schmerz und Angst ein Ende zu setzen, den rechten Pfad einzuschlagen und
Nirvana (Leidfreiheit) zu verwirklichen. Dieser Weg ist der Weg der vier Verankerungen der Achtsamkeit.“

Im Laufe der Woche sollten wir dann die vier Verankerungen der Achtsamkeit kennenlernen. Anschließend gab es noch den zeitlichen Ablauf, in den das Retreat eingebettet war: Um 5 Uhr begann die erste Sitzmeditation. Nach 50 Minuten folgte eine 10 minütige Gehmeditation, dann wieder 50 Minuten Sitzmeditation. Um 7 Uhr praktizierten wir eine sanfte Yogastunde und ab 9 Uhr einen erneuten Meditationsblock bis 11 Uhr. Ab 11 Uhr gab es eine Mahlzeit mit anschließender Pause. Um 13 Uhr hatten wir die Möglichkeit zu einer einstündigen Gehmeditation und anschließend folgte ein erneuter 2 stündiger Meditationsblock. Um 16 Uhr war eine Yogastunde und um 18 Uhr Abendessen. Ab 19 Uhr Sitzmeditation und die Möglichkeit zu Einzelgesprächen mit Adriaan, ab 20 Uhr Vortrag und Meditation und um 21 Uhr noch mal eine einstündige Meditation. Als ich das hörte, bzw. las, dachte ich mir, ein strammes und klares Programm, mal schauen, ob ich das durchhalte.

Da saß ich nun, die Augen geschlossen, die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet und harrte der Dinge die da kommen würden. Oder auch nicht.
Dann kam von Adriaan die Anweisung den Atemfluss zu beobachten. Mehr nicht? Nichts leichter als das. Wenn doch nicht hier ein Zwicken wäre und dort ein fremdes Rascheln. Oh je, wo ist meine Atmung? Ok, noch mal von vorne. Und das den ganzen Tag? Können wir nicht was anderes machen? Mein Geist schreit nach mehr! Mist, schon wieder die Atmung verloren. Wie soll das funktionieren, bitte schön? Ok, nur kein Stress. Wird schon klappen.

Nach und nach konnte ich das Beobachten des Atemflusses länger halten. Aber dann gab es wieder eine Sitzung, wo es überhaupt nicht klappte. Woran lag es? Ich kann es nicht erklären, aber mit der Zeit wurde das Beobachten immer feinfühliger. Verständlich, da für meinen Geist kein Futter von außen zur Verfügung gestellt wurde. Selbst die Gedanken wurden immer zähflüssiger. Ich spürte immer häufiger, wie ganz sanft und zart die Luft an der Nasenspitze bei jedem Atemzug vorbeizog. Es kam mir vor, als würde nicht die Luft, sondern das Leben selbst mit leichtem Streicheln meine Nasenspitze berühren. Manchmal spürte ich dies als ein Kitzeln und manchmal als einen unendlich kristallklaren Gebirgsfluss.

Am 2. Tag wurde uns von Adriaan die erste Verankerung vorgestellt: 1. Ein Übender bleibt in der Betrachtung des Körpers im Körper verankert, beharrlich, mit klarer Einsicht, achtsam, nachdem er alles losgelassen hat.

Aha, so dachte ich, kommen wir nun zum klassischen Body-Scan! Dennoch gab es hier einen Unterschied zu der mir bislang bekannten Vorgehensweise. Die Aufmerksamkeit auf den Körper zu lenken, ohne Wertung, ohne Verurteilung, nur beobachten. Und zwar nicht im Schnelldurchlauf, sondern so lange, wie es für den jeweiligen Körperteil angebracht ist. So kann das Betrachten des Körpers die gesamte Meditationsstunde dauern! Tiefer und tiefer in die jeweilige Muskelfaser hineinschauen und beobachten. Völlig ungläubig passierte mir, dass ich mit einer Stunde Körperbetrachtung nicht ausgekommen bin! Und ein anderes Mal spürte ich Ärger, richtigen Ärger! Ich ärgerte mich so sehr über meinen Nachbarn, der unruhig auf seinem Kissen auf und ab rutschte. Kann der nicht mal ruhig bleiben? Wann ist der denn mal fertig mit seinem Gekrame? Doch irgendwann spürte ich, wie sich die gedanklichen Verstrickungen auflösten. Ein Knoten löste sich auf und ich musste innerlich schmunzeln. Während des Ärgers war keine Konzentration auf die Atmung, kein Fixieren auf den Körper, alles war weg! Ich dachte mir, da sitze ich nun schon über 2 Tage und falle immer noch so schnell raus! Es war schön über mich selbst zu lachen. Nicht auslachen, sondern eher ein freudiges Mitfühlen über mich selbst und meine Verstrickungen. Ich nahm mir vor, mich vor, während oder zum Schluss der Meditationen innerlich liebevoll und sanft zu umarmen. Ich bin so, wie ich bin.

Zu dieser Situation habe ich vor einiger Zeit einen passenden Text von Dr. Mirko Frýba (Ayukusala Thera) in seinem Buch ,Anleitung zum Glücklichsein – Die Psychologie des Abhidhamma‘ gelesen: „Diese Übungen rüsten uns mit Fertigkeiten aus, die uns in jeder Alltagssituation befähigen, eine sichere Verankerung in der gegenwärtig vorhandenen Lage zu gewinnen und aus dieser Verankerung heraus rea-
listisch und wirksam zu handeln. Die Strategien der Wirklichkeitsverankerung befassen sich mit Merken, Fühlen und Erleben. Sie sind keine eigentlichen Handlungsstrategien, die sich mit dem Ausführen von Tätigkeiten und dem Behandeln von Gegenständen befassen, sondern vielmehr Wahrnehmungsstrategien, die das Erleben in seiner Wahrhaftigkeit und Glücksfähigkeit stärken sollen. Zweck der Übungen ist es, unser Denken, Sprechen und Handeln im Alltag kompe-
tent zu nutzen. Dabei ist es wichtig, was wir nutzen und wie wir es nutzen. Das wahre Sprechen, wahre Denken und wissensklare Handeln kann besser genutzt werden, als jenes ohne Wirklichkeitsverankerung.“

Am 3. Tag offenbarte uns Adriaan die 2. Verankerung der Achtsamkeit: 2. Er bleibt in der Betrachtung der Gefühle in den Gefühlen verankert, beharrlich, mit klarer Einsicht, achtsam, nachdem er alles losgelassen hat.

Jetzt kam es darauf an, sich seiner Gefühle bewusst zu werden. Auch hier, wie beim Beobachten des Körpers, geschieht dies ohne zu werten und ohne zu verurteilen. Da kramte und fummelte schon wieder mein Nachbar in einer epischen Breite und es schien unendlich lang zu dauern, bis er endlich fertig wurde. Ärger stieg in mir hoch. Da kam der Gedanke, dieses Gefühl zu beobachten. Schien ja mein Thema zu sein. Ich weiß nicht, ob es richtig war, aber ich beschäftigte mich mit dem Gefühl ‚Ärger‘. Wann kommt er? Wie drückt er sich aus? Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich ärgerlich bin?

Sind bei diesem Abschnitt der Verankerungen wirklich die emotionalen Befindlichkeiten gemeint oder nur das Wahrnehmen der Gefühle im Körper? Ich entschied mich für das Wahrnehmen der Gefühle im Körper und begann wieder mit dem Body-Scan.

Im nächsten Einzelgespräch habe ich Adriaan gefragt: „Wie bleibe ich bei der Betrachtung der Gefühle in den Gefühlen verankert?“ Darauf Adriaan: „Es gibt dort eine Erklärung, die ich Dir vorlesen möchte: Jedes Mal, wenn du ein angenehmes Gefühl verspürst, sei dir dessen bewusst: ‚Ich verspüre ein angenehmes Gefühl.’ Jedes Mal, wenn du ein unangenehmes Gefühl verspürst, sei dir dessen bewusst: ‚Ich verspüre ein unangenehmes Gefühl.’ Jedes Mal, wenn du ein Gefühl verspürst, das weder angenehm noch unangenehm ist, sei dir dessen bewusst: ‚Ich verspüre ein neutrales Gefühl.‘ Auf diese Weise bleibst du bei der Betrachtung der Gefühle in den Gefühlen verankert. Du betrachtest deine Gefühle von innen oder von außen oder gleichzeitig von innen und außen. Du beobachtest den Prozess des Entstehens in den Gefühlen oder den Prozess des Vergehens in den Gefühlen oder gleichzeitig den Prozess des Entstehens und Vergehens. Oder du lenkst deine Aufmerksamkeit auf die Tatsache ‚Dies hier ist ein Gefühl‘, bis Einsicht und volle Bewusstheit entstehen. Du bleibst in der Beobachtung verankert, frei und ohne dich von weltlichen Betrachtungen ablenken zu lassen. So wird die Betrachtung der Gefühle in den Gefühlen geübt.“

Mit dieser Erklärung musste ich erkennen, dass ich mit meiner Vorgehensweise doch nicht so falsch gelegen hatte. Mir wurde klar, dass dauerhaftes Beobachten meiner Gefühle sehr anstrengend sein kann und ich habe mir erlaubt, hin und wieder zur Atemmeditation zurückzukehren. Und hier und da stellte ich fest, dass ich ganz weit weg war. Ganz weit weg von außen und ganz tief in mir drin. Da habe ich dann diese Leere gespürt. Eine Leere gefüllt mit Glück! Ohne was dafür tun zu müssen! Sie war einfach so da! Es waren vielleicht nur ein paar Sekunden oder Minuten, aber es war so intensiv, das schrie förmlich nach mehr! Wahrscheinlich war dies auch nur ein anhaften, aber das war mir egal. Es war schön und ich wollte dahin zurück!

Am nächsten Tag kam die 3. Verankerung: 3. Er bleibt in der Betrachtung des Geistes im Geist verankert, beharrlich, mit klarer Einsicht, achtsam, nachdem er alles losgelassen hat.

Hörte sich spannend an: die Betrachtung des Geistes im Geist. Was soll das bedeuten? Und, wie bleibe ich bei der Betrachtung des Geistes im Geist verankert? Folgender Text wurde uns vorgelesen: „Wenn dein Geist etwas begehrt, bist du dir bewusst: ‚Mein Geist begehrt etwas.‘ Wenn dein Geist nichts begehrt, weiß du: ‚Mein Geist begehrt nichts.‘ Ist dein Geist frei, bist du dir bewusst: ‚Mein Geist ist frei.‘ Ist dein Geist nicht frei, bist du dir bewusst: ‚Mein Geist ist nicht frei.‘ Auf diese Weise bleibst du bei der Betrachtung des Geistes im Geist verankert. Du betrachtest deinen Geist von innen oder von außen oder gleichzeitig von innen und außen. Du beobachtest den Prozess des Entstehens in deinem Geist oder den Prozess des Vergehens in deinem Geist oder gleichzeitig den Prozess des Entstehens und Vergehens. Oder du lenkst deine Aufmerksamkeit auf die Tatsache ‚Dies hier ist Geist‘, bis Einsicht und volle Bewusstheit entstehen. Du bleibst in der Beobachtung verankert, frei und ohne dich von weltlichen Betrachtungen ablenken zu lassen. So wird die Betrachtung des Geistes im Geist geübt.“

Jetzt wurde es schwierig für mich. Ich fand diesen Auftrag sehr abstrakt und ich konnte nicht viel damit anfangen. Auch mein Geist bäumte sich auf: „Die Betrachtung des Geistes im Geist, so ein Blödsinn!“ Dennoch versuchte ich mich darin zu üben, so gut ich konnte.

Am nächsten Tag folgte der letzte Auftrag: 4. Er bleibt in der Betrachtung der Geistobjekte in den Geistobjekten verankert, beharrlich, mit klarer Einsicht, achtsam, nachdem er alles losgelassen hat.

Es folgte ein Vortrag zum Thema: Zunächst einmal betrachtest du die Geistobjekte in den Geistobjekten im Hinblick auf die fünf Hindernisse:
1.    Wenn sinnliches Begehren in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir ist sinnliches Begehren.‘ Wenn kein sinnliches Begehren in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir ist kein sinnliches Begehren.‘
2.    Wenn Wut in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir ist Wut.‘ Wenn keine Wut in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir ist keine Wut.‘
3.    Wenn Trägheit und Schläfrigkeit in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir sind Trägheit und Schläfrigkeit.‘ Wenn keine Trägheit und Schläfrigkeit in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir sind keine Trägheit und Schläfrigkeit.‘
4.    Wenn Unruhe in dir ist, so sei dir bewusst: ‚In mir ist Unruhe.‘ Wenn keine Unruhe in dir ist, so sei dir bewusst: ‚In mir ist keine Unruhe.‘
5.    Wenn Zweifel in dir ist, sei dir bewusst: ‚In mir sind Zweifel.‘ Wenn kein Zweifel in dir sind, sei dir bewusst: ‚In mir sind keine Zweifel.‘

Auf diese Weise bleibst du bei der Betrachtung der Geistobjekte in den Geistobjekten verankert. Du betrachtest die Geistobjekte von innen oder von außen oder gleichzeitig von innen und außen. Du beobachtest den Prozess des Entstehens in den Geistobjekten oder den Prozess des Vergehens in den Geistobjekten oder gleichzeitig den Prozess des Entstehens und Vergehens. Oder du lenkt deine Aufmerksamkeit auf die Tatsache ‚Dies hier ist ein Geistobjekt‘, bis Einsicht und volle Bewusstheit entstehen. Du bleibst in der Beobachtung verankert, frei und ohne dich von weltlichen Betrachtungen ablenken zu lassen. So wird die Betrachtung der Geistobjekte in den Geistobjekten geübt.
Mir fiel es zunehmend schwer, den Anweisungen zu folgen, mir zuviel die ganzen Instruktionen zu berücksichtigen. In meiner Verzweiflung gab ich mir einen Ruck und sagte: Wer sagt denn, dass ich dies alles befolgen muss? Kann ich mir nicht einfach erlauben dahin zurückzukehren, womit ich gut was anfangen kann? Vielleicht war ich für diese Verankerungen noch nicht bereit? Mir reichte es. Ich ging zurück zu dem, was mir lag und wo ich den Eindruck hatte, diese Übungen zu intensivieren, ja sogar zu kultivieren, damit ich sie im Alltag besser und schneller abrufen kann. Ich ging zurück zum Body-Scan, wenn dann noch Zeit blieb, übte ich die Beobachtung des Atemflusses. Ich stellte fest, dass ich damit völlig ausgelastet war! Wenn ich die Beobachtung des Körpers und des Atemflusses in den Yogastunden, beim Einnehmen der Speisen und in den Gehmeditationen beibehalten konnte, dann war ich mehr als zufrieden! Ich muss gestehen, dass ich immer wieder die Hoffnung hatte, die Leere, gefüllt mit Glück, wiederzufinden. Ab und zu gelang es mir, wenn ich selbst diese Hoffnung losgelassen hatte! Für mich war dieses Erleben ein schöner Antrieb, die Meditation tagtäglich fortzusetzen.

Am Schluss des Retreats, als wir das Schweigen gebrochen haben, erzählte ich von meinen Erlebnissen. Ich bekam die Rückmeldung, dass alles gut ist, so wie es ist! Es gibt kein Falsch oder Richtig. Jeder für sich sucht sich seinen spirituellen Weg!

Auch als ich zu Hause ankam, habe ich diese Meditation beibehalten. Sicherlich, es gab immer wieder Höhen und Tiefen, sogar soweit, dass ich die Meditation abbrach. Aber ich fand bis heute immer wieder zurück. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich Bekannten, Freunden und meinen Yogateilnehmern meine Erfahrungen vermitteln kann.

Dabei hatte ich den Eindruck, dass viele nicht bereit sind, sich über einen so langen Zeitraum ausschließlich der Meditation zu widmen. Da kam mir die Idee, den Inhalt des Retreats in einer vereinfachten Form als Wochenendseminar anzubieten. Es sollte ein Seminar sein, bei dem niemand überfordert ist, sondern es darum geht, ‚Achtsamkeit‘ erfahrbar zu machen.

Wenn du Achtsamkeit in dein Leben hineinlassen möchtest, dann kann es sein, dass du zunächst wahrnimmst, dass du den größten Teil deines Lebens gedankenlos, gewohnheitsmäßig und mechanisch verbringst, verwickelt in deine eigenen Gedanken und Gefühle, und in deine Launen. Es ist schwierig, aus dieser Gewohnheit auszubrechen. Da Achtsamkeit ein Moment-zu-Moment-Gewahrsein ist, kann jede Tätigkeit zu einer Gelegenheit werden, Achtsamkeit zu praktizieren: essen, duschen, rasieren, gehen, fahren, arbeiten, trainieren, Tennis spielen, Geschirr spülen, einkaufen, putzen, sprechen, mit den Kindern spielen und viele andere Situationen, mit denen wir täglich umgehen müssen. Das Wundervolle an der informellen Achtsamkeitspraxis ist,
dass sie keine zusätzliche Zeit beansprucht. Alles was gebraucht wird, ist ein Wandel im Bewusstsein, ein Umschalten von der gewohnheitsmäßigen blinden Daseinsweise zu wacher Präsenz.



Wer an diesem Wochenende teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen! Das Seminar findet statt vom 18. bis 20.02.2011 in der Benediktinerabtei in Aachen Kornelimünster. Nähere Informationen kannst du unter: 02472/970563 anfordern.
Ich wünsche dir viel Kraft und Energie für deine Achtsamkeitspraxis.
Om Shanti
Norbert Telöken

 

 

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